Die etwas anderen Ferien

 

 

Auch wenn für mich am 2.Dezember die Schulferien begannen, bedeutete dies keineswegs lange schlafen oder ausgiebige Filmnächte, wie ich es noch aus den Schulferien in Deutschland kannte, sondern nach wie vor frühes Aufstehen und viel Arbeit, die sich schließlich jedoch auszahlen sollte.

 

Noch vor den Ferien entschieden wir uns, uns aufzuteilen. Während Susann und Conny an der einer Projektschule im Süden Livingstones ein Ferienprogramm für die Kinder organisierten, verpassten Fabian und ich Fabians Projektschule in dem ca. eine halbe Stunde von Livingstone entfernten Simonga einen neuen Anstrich. Unterstützung bekamen wir dafür von sechs älteren Schülern aus einer von Fabians Klassen. Außerdem stellte uns der “River Club”, eine der ältesten und teuersten Lodges am nahegelegenen Sambesi, seinen professionellen Maler zur Verfügung. Die Idee hinter der Aktion war nicht nur, den Außenanstrich der Schule aufzufrischen, sondern den Schülern, die kurz vor ihrem Schulabschluss stehen, den Beruf des Malers näherzubringen, der in Sambia zu den besserbezahlten Jobs zählt und ihnen eine bessere Perspektive für ihre Zukunft eröffnet. Ein großes Problem gerade auf dem Land ist nämlich eine sehr große Jugendarbeitslosigkeit. Junge Menschen mit oder ohne Schulabschluss haben oft große Probleme, eine Anstellung zu finden, die für sie selbst nachhaltig ist und ihnen ein Einkommen sichert, von dem sie eine Familie versorgen können. Nicht wenige flüchten sich deshalb in Alkoholismus und Drogen, was zu einem Teufelskreis führt, der nach und nach zu einem gesamtgesellschaftlichen Problem wird.

 

Neben dem Hintergedanken, jungen Menschen eine Arbeitsperspektive zu eröffnen, ging es auch darum, die Außenwirkung der Schule an sich zu verbessern und ihr eine neue und bessere Außenwirkung und einen anderen Stellenwert im Dorf zu geben.

Während ich zu Beginn der ganzen Aktion noch der Meinung war, dass es weniger darauf ankomme, ob die Schule gut oder weniger gut aussehe, als darauf, dass sie gute Bildung vermittle, musste ich meine Ansicht schnell ändern. Das Aussehen einer Schule steht hier zumindest auf dem Dorf für deren Stellenwert in der Gesellschaft. Konkret bedeutet das, wenn die Schule einen schönen, neuen Anstrich bekommt, wird gleichzeitig auch die Bildung, die sie vermittelt, von den Schülerinnen und Schülern und Eltern mehr gewertschätzt und es eröffnen sich völlig neue Perspektiven für die Entwicklung der Schule. Durch das gemeinsame Streichen habe ich gelernt, dass eine auf den ersten Blick oberflächliche Sache, wie der Anstrich einer Schule und deren eigentlicher Bildungsauftrag stark zusammenhängen. Besonders die anderen Jugendlichen machten mir das durch ihren großzügigen und engagierten Einsatz bewusst.

Auch wenn es uns manchmal einige Mühe kostete, morgens nach wie vor früh aufzustehen und aus einer geplanten Woche mehr als zwei wurden, steckten uns die Schüler mit ihrer Motivation an, weshalb wir am Ende gemeinsam stolz auf unsere "neue" Schule sein konnten.


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